"Organizing" als Instrument zur Stärkung der Tarifbindung "von unten"
Studie im Rahmen des IAQ / WSI Projektes „Stärkung der Tarifbindung“
Die Studie untersucht, ob in Deutschland übernommene, an angelsächsischen Vorbildern orientierte Organizing-Konzepte (seit Mitte der 2000er stärker verbreitet) dazu beitragen können, das Tarifsystem zu stabilisieren. Erwartet wird, dass Gewerkschaften durch mehr Organisationsmacht im Betrieb und in der Branche Tarifflucht wirksamer begrenzen und Lücken in der Tarifbindung schließen.
In der Studie wurde eine exemplarische Auswahl von „Organizing“-Projekten betrachtet, nicht die ganze Bandbreite. Zudem zielen die meisten deutschen Organizing-Varianten zunächst auf den Aufbau betrieblicher Stärke – ein direkter Erstabschluss von Tarifverträgen ist selten; häufiger geht es um Verbesserungen bestehender Verträge oder um den Wechsel von Haus- zu Flächentarifen.
Als zentrale Befunde zeigt die Studie: Organizing ist bei IG Metall und ver.di verbreitet, aber Aufbau von Verankerung und Tarifdurchsetzung ist ressourcenintensiv und nicht immer erfolgreich. Erfolge sind besonders im Gesundheits- und Sozialwesen sichtbar, wo ver.di seit 2010 teils zur Ausweitung der Tarifbindung beitragen konnte. Ansonsten bleiben Erfolge oft lokal und schlagen sich kaum in Branchendaten nieder. Insgesamt kann gefolgert werden, dass eine Stabilisierung „von unten“ ohne politische/institutionelle Unterstützung „von oben“ wegen knapper Ressourcen und struktureller Unterlegenheit gegenüber Arbeitgebern nur begrenzt zu erwarten ist.
Eine Studie im Rahmen des IAQ / WSI Projektes „Stärkung der Tarifbindung“
KONTAKT
Dr. Johannes Schulten
Dr. Marcel Thiel
Tel.: +49 (0) 30 2936970
E-Mail: imu-institut@imu-berlin.de
LAUFZEIT
2025
PUBLIKATION
Die als Ausgabe 113 - Januar 2026 in der Reihe Analysen zur Tarifpolitik des WSI der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte Studie kann hier heruntergeladen werden.









